Hass ist uns #NichtEgal

Quelle: Josef Schmidt - Westfalenpost 07.03.17

Sie heißen „Dagi Bee“ oder „Datteltäter“. Sie sind keine Pop-Sternchen oder spielen in Kinofilmen mit. Aber dennoch kennen fast alle Teenies sie. Denn sie sind YouTube-Stars und ziehen mit ihren Videos über alle möglichen alltäglichen Probleme Hunderttausende oder sogar Millionen in ihren Bann. Und die Teenies tun es ihren Stars nach, stellen jede Menge eigene Videos ins Netz. Aber es gibt einen Haken: Sogenannte hate speeches – Hass-Kommentare also. Genau mit diesem Thema beschäftigen sich die Hakemicke-Hauptschule und ihre benachbarte „Schwester“, die Sekundarschule in Olpe im Rahmen des YouTube-Projekts #nichtegal, mit dem das Mega-Unternehmen dem Missbrauch des eigenen Kanals zu Leibe rücken will.

Ursächlich verantwortlich dafür sind eigentlich zwei Jungs, Lars Dietz und Marcus Wigger aus der 9 c der Hakemicke-Schule. „Eines Morgens kam Lars zu mir“, erinnert sich Marcus, „und hat mir davon erzählt. Dann haben wir das Projekt der Schulleitung vorgestellt und anschließend ein Bewerbungsschreiben an die Initiative #nichtegal geschrieben.“

Zivilcourage auch im Netz wichtig

Mit Erfolg: Die Hakemicke-Schule wurde ins Projekt aufgenommen, das von YouTube komplett finanziert wird. Für die Olper Schulen wurde eigens die Medienbildungs-Gesellschaft „Digitale Helden“ beauftragt, die 25 Hauptschüler der 9. und 10. Klassen zu sogenannten Mentoren ausbildeten, damit diese später die Siebtklässler der Sekundarschule für den Feldzug gegen Hass-Kommentare im Internet und auf YouTube interessieren sollten.

Jetzt war es soweit: Florian Borns, Lena Pauwels und Birthe Frey von den „Digitalen Helden“ führten früh morgens noch einmal ins Thema ein – dann ging’s los: Die 25 Anti-Hass-Mentoren zogen aus, um die „Kleinen“ Internet-wehrhaft zu machen.

Hass im Netz betrifft alle

Dabei sollte von vorneherein klar sein: „Hass im Netz betrifft uns alle“, so Borns, „und wir zeigen, wie man sich dagegen wehren kann“ – ob nun ein Mädchen als Schlampe beschimpft werde, ob es um diskriminierende Witze gegen Ausländer gehe oder abfällige Bemerkungen über Kleidung oder einfach nur einen Musikgeschmack.

Eine einfache Orientierung, wo die Meinung aufhöre und die Beleidigung beginne, so Birthe Frey, sei das Empfinden, was einem selbst weh tue: „Wenn ich so etwas nicht über mich lesen möchte, ist es auch nicht okay.“ Wichtig sei, dass man Zivilcourage zeige und im Netz die verteidige, die Opfer von Hass-Kommentaren würden.

Wenn es hart auf hart gehe, könne die Polizei die Übeltäter auch ausfindig machen. Strafen von mehreren tausend Euro, so Borns, seien von Gerichten schon verhängt worden.

Zeugnis für gute Zusammenarbeit

Kerstin Meiswinkel, die projektbegleitende Lehrerin der Hakemicke-Schule, freute sich über das spürbare Interesse der Schüler: „Prävention gerade im Bereich der digitalen Medien ist uns sehr wichtig.“ Die Schule unterstütze die Nutzung dieser Medien ja, also sei es auch angesagt, sich mit den unangenehmen Seiten auseinanderzusetzen.

In den einzelnen Klassen – wir durften in 7d von Lehrer Maximilian Wurm schnuppern – ging es zunächst um die Grundlagen. Die Siebtklässler setzten sich mit Fragen auseinander wie: „Welche Art von Hass im Netz kennt ihr?“, „Wo fangen die Probleme an?“ oder: „Was für ein Netz wünscht ihr euch?“ Ein Unterrichts-Inhalt war der Dreh eigener Videos, mit denen die Schüler ihrer Position Bild und Stimme geben konnten.

Dass die Zusammenarbeit der beiden Schulen „unter einem Dach“ so gut funktioniere, freute nicht zuletzt die beiden Schulleitungen: Christian Otto, Konrektor der Sekundarschule, und Hauptschul-Leiterin Ellen Sandforth-Linder lobten das gemeinsame Engagement. Das Projekt sei erneut ein Zeugnis für die Kooperationsfähigkeit der beiden Schulen.

 

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